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Konstanze Müller

Name: Konstanze Müller, MA, BEd.

Maturajahrgang: 2010

Derzeitige berufliche Tätigkeit: Interdisziplinäre Künstlerin, Primar-, Montessori- und Theaterpädagogin, 
Künstlerische Leitung des Vereins Solektiv






Statement: 

Imaginiere ich die acht Jahre meines Lebens im BRG/BORG St. Pölten, spüre ich, durch all meine Erfahrungen bedingt, eine Ambivalenz. Unbedingt wollte ich damals auch in der Schule, in der schon mein Vater und meine Schwester lernten, wachsen und reifen. Die Kunst ist jeher meine Sprache, ist sie bis heute und wird sie auch bleiben. Meine Wahl schien also durchaus stimmig gewesen zu sein. 
In meiner Familie munkelten wir indes schnell, wie scherzten, dass ich schulisch unbegabt gewesen sei. Lose Zungen würden mich wohl als unstrebsam einordnen.
Dem widerspreche ich aus heutiger Perspektive.  Anders ist das Wort, das alles änderte, als ich es zu leben begann
Es gab Pädagog:innen die, die Beziehung zu mir pflegten, die für mich einen Raum, in dem ich mich entfalten konnte, schufen. Über ihre Fächer hinaus Inhalte verbinden, visionieren konnte ich dort, diese Lehrer:innen waren Begleiter:innen, sie sahen mich als Person, weil ich mich eben in ihrem Unterricht wohlfühlte, so auch (auf)blühte. 
Vor allem meine Liebe zur Musik, zum Gestalten, zum Schreiben, zur Philosophie und Psychologie, zur Bewegung wurde hier genährt. Wenn auch anders, als ich es nun selbst begleite.
Die Jahre waren geprägt von unzähligen Nachhilfestunden, von Frühwarnungen, von Frustration, von Trauer, von Zweifeln, von Wut, von Unverständnis, von Angst und von elterlicher Sorge. Das Gefühl: „Warum bin ich anders?“, begleitet mein morgendliches Ritual in meinen Gedanken, bevor ich aufstand. 
Beschäftigten mich doch ganz andere Themen als jene, die ich verstehen sollte, die im Lehrstoff festgesetzt waren. Themen, die heute unsere Realität sind. 
Wettbewerbe, Prüfungen, Schularbeiten, Vergleiche, Bewertungen schon früher ein Grund, dass ich nicht annähernd zeigen konnte, welche Werte, Haltungen und Erfahrungen in mir verankert waren. Zu sensibel sei ich gewesen. Heute ist meine Sensibilität, meine Merkfähigkeit kleinster Details und diese zum Gesamtbild zu verbinden meine Stärke, diese lebe ich, in dem Kunst entsteht. Die Kunst lässt mich autodidaktisch und autonom lernen, genauso lehrt sie mich auch, ich erzähle über meine Erfahrungen andere Narrative. Hier entwickle ich universell verbindend, nicht fachspezifisch getrennt. Für mich ist sie Mittlerin, um für und mit Menschen Räume zu schaffen.
Genauso lebten sich doch auch Momente der Freude, des Wachsens, des Miteinanders, des Scherzens, des Zutrauens mit meinen Freund:innen und meinen Bezugspersonen der Schule. 
Jeden Menschen, der mir damals begegnete, erkenne ich bis heute, auch namentlich, ihnen wieder zu begegnen, lässt mich staunen, wohin uns die Wege führten. Es ist mir eine Freude zu entdecken, welche diverse Erinnerungen an diese Schule, in der wir die meiste Zeit unserer Tage verbrachten, sich zeigen. Eine Verantwortung der Pädagog:innen, damit die Schule eine Zeit für die Schüler:innen wird.
Eine Beziehungslandschaft, die es schafft inklusiv, divers und verbindend Leben zu lernen, um sie zu verantwortungsbewussten, authentischen und beziehungsfähigen Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. 
Durch meine Jahre im BRG/BORG lernte ich mich selbst kennen. 
Meine Prämisse bereits hier: „Ich suche nicht, ich finde.“ 
Pablo Picassos Bildpoesie ist mir immer inniglichst. 
So konfrontierte mich mein Leben in diesen Jahren und darüber hinaus mit Fragen und ich bleibe eine Lernende und gleichsam Lehrende. 
Über meine Bedürfnisse, mein Lernen und so viel mehr, erfuhr ich in dem ich mich selbst mit meiner Schulbiografie auseinandersetzte. Meine Erkenntnis durch das BORG ist, wenn ich anderes brauche, dann brauche es wohl viele Lernende, dann werde ich es anders leben. Vor allem gab es Menschen im Borg, für die ich genau richtig war. Die Zeit hier hat mich mutig gemacht, dass es sich immer lohnt an mir selbst zu arbeiten und das Leben für alles Lebendige zum Wohl-sein zu gestalten, Sorge dafür zu tragen. 
Reflektiere ich, war es trotz aller Herausforderungen, eine Wahl, die ich wieder treffen würde. 
Mit Kindern filtere ich jedoch noch klarer heraus, welche Systeme, Räume es für sie zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit und zu ihrem Lebenslernen braucht. Dies empfehle ich generell im Bildungsweg, die Zeit mit den Lernenden finden, im Miteinander mit Lehrenden und Erziehungsberechtigten, was es ist, dass unsere Zukunft, unsere Kinder brauchen, sie geben uns die Antwort. 
Einer meiner Lehrer schrieb mir folgenden Satz in mein Stammbuch, ich war damals ein zehnjähriges stilles Mädchen: 
„Ein klein wenig Süßes kann viel Bitteres verschwinden machen.“ 

Fotocredit:  Petra Wieser